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Desk Research durchführen

Desk Research durchführen

Desk Research richtig durchführen und aus vorhandenen Informationen echte Erkenntnisse gewinnen

Eine Suchanfrage bei Google, fünf geöffnete Tabs und nach einer Stunde liegen 20 interessante Quellen im Download-Ordner. Klingt nach produktiver Recherche. Trotzdem fehlt oft noch die Antwort auf die eigentliche Frage.

Genau das ist eine typische Schwäche von Desk Research. Informationen zu finden ist heute selten das größte Problem. Viel schwieriger ist es, aus der Masse an verfügbaren Daten die richtigen Informationen auszuwählen, ihre Qualität einzuschätzen und daraus ein belastbares Gesamtbild zu entwickeln.

Desk Research wird in wissenschaftlichen Arbeiten ebenso genutzt wie in Unternehmen. Studierende recherchieren damit bestehende Studien, Statistiken und theoretische Erkenntnisse. Unternehmen nutzen vorhandene Daten für Marktanalysen, Wettbewerbsbeobachtung, Strategieprojekte oder die Vorbereitung neuer Produkte. Die Quellen unterscheiden sich teilweise. Das Grundprinzip bleibt aber gleich. Gute Recherche beginnt nicht mit der Suchmaschine, sondern mit einer klaren Frage.

Erst wissen, wonach man eigentlich sucht

Stell dir vor, ein Unternehmen möchte wissen, ob sich der Einstieg in den Markt für nachhaltige Verpackungen lohnt. Eine Suche nach „nachhaltige Verpackungen Markt“ liefert in wenigen Sekunden tausende Ergebnisse. Darunter befinden sich Branchenberichte, Unternehmensseiten, Statistiken, Studien, Nachrichten und zahlreiche Beiträge, die hauptsächlich für Suchmaschinen geschrieben wurden. Wer jetzt einfach alles sammelt, verliert schnell den Überblick.

Vor der ersten Suche sollte deshalb feststehen, welche Informationen wirklich gebraucht werden. Im Beispiel könnten das Marktgröße, Wachstum, Kundengruppen, relevante Wettbewerber, regulatorische Entwicklungen und technologische Trends sein. Diese Punkte bilden ein erstes Recherchegerüst.

Bei wissenschaftlichen Arbeiten übernimmt eine klar abgegrenzte Forschungsfrage eine ähnliche Funktion. Sie entscheidet, welche Literatur relevant ist und welche zwar interessant klingt, aber für die eigene Untersuchung wenig beiträgt.

Das spart nicht nur Zeit. Es verhindert auch, dass die Fragestellung unbewusst an die Informationen angepasst wird, die besonders leicht zu finden sind.

Desk Research ist mehr als eine Google-Suche

Der Begriff Desk Research bezeichnet Forschung auf Basis bereits vorhandener Informationen. Deshalb wird auch von Sekundärforschung gesprochen. Statt neue Daten durch Interviews, Befragungen oder Experimente zu erheben, werden bestehende Quellen ausgewertet.

Welche Quellen sinnvoll sind, hängt stark vom Thema ab. Für eine Marktanalyse können amtliche Statistiken, Geschäftsberichte, Branchenverbände, Unternehmenswebsites und Marktforschungsberichte relevant sein. Bei einer wissenschaftlichen Fragestellung stehen Fachzeitschriften, Bücher und Forschungsberichte stärker im Vordergrund.

Gerade Studierende sollten Desk Research aber nicht mit einer beliebigen Internetsuche verwechseln. Eine gute systematische Literaturrecherche folgt klaren Suchkriterien und dokumentiert, wie Literatur ausgewählt wurde. Desk Research kann breiter angelegt sein. Trotzdem profitiert sie von derselben Disziplin.

Es sollte also nachvollziehbar sein, wo gesucht wurde, welche Begriffe verwendet wurden und warum bestimmte Quellen berücksichtigt oder ausgeschlossen wurden.

Gute Suchbegriffe entstehen selten beim ersten Versuch

Viele Recherchen scheitern nicht an fehlenden Informationen, sondern an zu engen Suchbegriffen. Wer immer wieder dieselbe Formulierung verwendet, findet meist auch ähnliche Ergebnisse.

Deshalb lohnt es sich, ein kleines Begriffssystem aufzubauen. Für eine Recherche zur Mitarbeiterbindung könnten neben „Mitarbeiterbindung“ auch Begriffe wie „Employee Retention“, „Fluktuation“, „Turnover Intention“ oder „Retention Management“ relevant sein.

Gerade bei internationalen Forschungsthemen erweitert die englische Suche die Auswahl erheblich. Außerdem können Fachbegriffe andere Treffer liefern als Alltagssprache.

Bei wissenschaftlicher Literatur bietet Google Scholar dafür einen guten Einstieg. Auch das Schneeballprinzip bei der Literaturrecherche kann die Suche erweitern. Wer eine besonders passende Studie gefunden hat, prüft deren Literaturverzeichnis und sucht nach neueren Arbeiten, die diese Studie zitieren.

So entwickelt sich die Recherche Schritt für Schritt weiter, statt bei einer einzigen Suchanfrage stehenzubleiben.

Die erste Quelle ist ein Einstieg, kein Beweis

Ein häufiges Problem entsteht, wenn eine interessante Zahl gefunden wird und sofort im Text landet. Vielleicht heißt es irgendwo, dass „72 Prozent der Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzen wollen“. Die Zahl klingt stark und passt perfekt zur Argumentation.

Doch woher stammt sie? Vielleicht verweist ein Blog auf einen Zeitungsartikel. Der Zeitungsartikel verweist auf eine Unternehmensstudie und dort zeigt sich, dass nur 150 Führungskräfte aus einer bestimmten Branche befragt wurden.

Die Zahl ist dadurch nicht automatisch falsch. Ihre Aussage ist aber wesentlich enger, als die ursprüngliche Formulierung vermuten lässt.

Deshalb lohnt sich eine einfache Gewohnheit. Geh bei wichtigen Daten möglichst bis zur ursprünglichen Quelle zurück. Ein Beitrag, der lediglich eine andere Quelle zusammenfasst, ist oft ein guter Hinweis. Für eine zentrale Aussage ist die Originalquelle aber meist stärker.

Das gilt auch für wissenschaftliche Arbeiten. Die Frage wie alt Quellen sein dürfen spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Ein theoretischer Grundlagentext kann lange relevant bleiben. Marktanteile, technologische Entwicklungen oder Nutzungszahlen verlieren dagegen deutlich schneller an Aktualität.

Nicht jede seriös aussehende Quelle ist gleich stark

Professionelles Design kann täuschen. Ein PDF mit Diagrammen und 40 Seiten wirkt schnell wissenschaftlich, obwohl vielleicht gar nicht klar ist, wie die Daten entstanden sind.

Deshalb sollte jede wichtige Quelle kritisch geprüft werden. Wer hat sie veröffentlicht? Welche Interessen könnten dahinterstehen? Wird die Methode beschrieben? Wie groß ist die Datengrundlage? Aus welchem Zeitraum stammen die Informationen? Bezieht sich die Quelle überhaupt auf die Region oder Zielgruppe, die für deine Frage relevant ist?

Besonders bei Marktstudien lohnt sich dieser Blick. Ein Anbieter kann beispielsweise ein Interesse daran haben, den eigenen Markt möglichst groß oder dynamisch erscheinen zu lassen. Das bedeutet nicht, dass seine Daten unbrauchbar sind. Man sollte sie nur entsprechend einordnen.

Auch mehrere Quellen können sich gegenseitig absichern. Wenn unterschiedliche Institutionen unabhängig voneinander zu ähnlichen Größenordnungen kommen, erhöht das die Plausibilität. Weichen Zahlen stark voneinander ab, beginnt die eigentlich interessante Arbeit. Dann muss geprüft werden, ob Definitionen, Zeiträume oder Berechnungsmethoden unterschiedlich sind.

Widersprüche sollte man nicht einfach wegrecherchieren

Menschen mögen eindeutige Ergebnisse. Recherche liefert sie aber nicht immer.

Vielleicht beschreibt eine Studie einen starken Zusammenhang, während eine andere kaum einen Effekt findet. Zwei Branchenberichte nennen unterschiedliche Marktgrößen. Verschiedene Prognosen gehen in vollkommen andere Richtungen.

Die einfachste Lösung wäre, die Quelle zu verwenden, die besser zur eigenen Argumentation passt. Genau das sollte man vermeiden.

Interessanter ist die Frage, warum die Ergebnisse voneinander abweichen. Vielleicht nutzt eine Marktstudie eine breitere Definition. Vielleicht wurden unterschiedliche Länder einbezogen. Vielleicht liegen die Untersuchungen mehrere Jahre auseinander.

Auch bei wissenschaftlichen Texten gilt, dass wissenschaftliches Schreiben nicht darin besteht, möglichst eindeutige Aussagen zu produzieren. Gute Texte machen sichtbar, wie belastbar eine Erkenntnis ist und wo Grenzen bestehen.

Gerade Widersprüche liefern oft den größten Erkenntnisgewinn.

Irgendwann muss die Recherche auch enden

Ein unterschätztes Problem bei Desk Research ist der richtige Zeitpunkt zum Aufhören. Es gibt fast immer noch einen weiteren Artikel, einen zusätzlichen Bericht oder eine neue Suchkombination.

Deshalb helfen vorher festgelegte Kriterien. Welche Themen müssen abgedeckt sein? Welcher Zeitraum ist relevant? Welche Regionen werden untersucht? Welche Arten von Quellen sollen berücksichtigt werden? Auch eine einfache Dokumentation kann viel Arbeit sparen. Notiere bei wichtigen Quellen direkt Autor oder Institution, Erscheinungsjahr, Link, zentrale Aussage und den Bereich, für den die Quelle relevant ist. Bei größeren Projekten lohnt sich zusätzlich ein kurzer Hinweis zur Qualität oder zu möglichen Einschränkungen.

Das verhindert einen Klassiker. Drei Tage später weiß man zwar noch, dass irgendwo eine perfekte Statistik stand, aber nicht mehr, in welchem der 37 geöffneten Tabs sie zu finden war.

Informationen sammeln reicht noch nicht aus

Der eigentliche Wert von Desk Research entsteht erst nach der Suche.

Angenommen, ein Unternehmen untersucht einen neuen Markt und hat Daten zu Wachstum, Wettbewerbern, Preisen und Kundenbedürfnissen gesammelt. Die reine Zusammenfassung dieser Informationen ist noch keine Analyse. Erst die Verbindung macht daraus eine Entscheidungsgrundlage.

Vielleicht wächst der Markt stark, wird aber von wenigen großen Anbietern kontrolliert. Vielleicht steigt die Nachfrage, während gleichzeitig die Preise sinken. Oder Kunden wünschen eine bestimmte Funktion, die bisher nur wenige Wettbewerber anbieten.

Jetzt entsteht eine Aussage, die über einzelne Datenpunkte hinausgeht.

Dasselbe gilt für wissenschaftliche Arbeiten. Mehr Literatur macht einen Text nicht automatisch besser. Entscheidend ist, ob Quellen verglichen, eingeordnet und miteinander verbunden werden. Genau deshalb sollte eine Recherche nie mit einem Ordner voller PDFs enden.

Sie sollte mit einer Struktur enden.

KI kann bei Desk Research helfen, aber sie ersetzt keine Quellenprüfung

KI-Tools können heute sehr schnell Themen strukturieren, Suchbegriffe vorschlagen oder lange Dokumente zusammenfassen. Das kann Desk Research beschleunigen. Problematisch wird es, wenn eine generierte Zusammenfassung als Ersatz für die Originalquelle verwendet wird.

Eine KI kann relevante Informationen übersehen, Aussagen verkürzen oder Zusammenhänge falsch wiedergeben. Noch riskanter wird es bei Quellenangaben, die nicht überprüft wurden.

Für Studierende gilt daher derselbe Grundsatz wie bei der Frage, ob man ChatGPT für die Bachelorarbeit benutzen darf. KI kann ein Werkzeug im Arbeitsprozess sein. Die Verantwortung für Quellen, Aussagen und Schlussfolgerungen bleibt beim Verfasser.

Auch in Unternehmen sollte eine strategische Entscheidung nicht auf einer Zahl beruhen, deren Ursprung niemand mehr nachvollziehen kann.

Gute Desk Research endet mit einer klareren Frage als sie begonnen hat

Das klingt zunächst widersprüchlich. Schließlich recherchiert man, um Antworten zu bekommen. Gute Recherche zeigt aber häufig auch, welche Informationen noch fehlen.

Vielleicht lässt sich nach mehreren Stunden sehr gut einschätzen, wie groß ein Markt ist. Trotzdem bleibt offen, warum Kunden bestimmte Anbieter bevorzugen. Genau dann ist Desk Research an ihre Grenze gekommen. Eine Befragung oder ein Experteninterview kann der nächste sinnvolle Schritt sein.

Das ist kein Scheitern der Recherche. Im Gegenteil. Desk Research soll auch zeigen, was mit vorhandenen Daten beantwortet werden kann und wo eigene Daten benötigt werden.

Bevor du deine Recherche abschließt, kannst du deshalb einen einfachen Test machen. Kannst du erklären, warum du genau diese Quellen verwendet hast? Weißt du, wie aktuell und belastbar die wichtigsten Informationen sind? Lassen sich widersprüchliche Angaben nachvollziehbar einordnen? Und beantworten die gesammelten Daten tatsächlich die Ausgangsfrage?

Wenn diese Punkte erfüllt sind, ist aus einer Internetsuche echte Recherche geworden.

Denn gute Desk Research bedeutet nicht, möglichst viel zu finden. Sie bedeutet, aus vorhandenen Informationen genau das herauszufiltern, was für die nächste wissenschaftliche oder unternehmerische Entscheidung wirklich relevant ist.

Wer diesen Schritt nicht selbst übernehmen kann oder will, findet ihn bei der Literaturrecherche und Literaturanalyse. Für Recherchen mit unternehmerischem Ziel zeigen unsere Leistungen für Unternehmen den passenden Rahmen.

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