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Benchmarking durchführen und bessere Maßstäbe finden

Benchmarking durchführen und passende Vergleichsmaßstäbe finden

Benchmarking richtig nutzen und aus Vergleichen bessere Entscheidungen ableiten

„Unser Prozess dauert im Durchschnitt vier Tage.“ Klingt erst einmal nach einer konkreten Information. Ob vier Tage gut oder schlecht sind, lässt sich daraus aber noch nicht erkennen. Vielleicht brauchen vergleichbare Unternehmen nur einen Tag. Vielleicht sind vier Tage in dieser Branche sogar ein sehr guter Wert.

Genau an diesem Punkt setzt Benchmarking an. Dabei werden Leistungen, Prozesse oder Kennzahlen mit geeigneten Vergleichswerten gegenübergestellt. Das Ziel besteht nicht darin, andere Unternehmen einfach zu kopieren. Vielmehr soll der Vergleich zeigen, wo Unterschiede liegen und was sich daraus lernen lässt.

Benchmarking wird häufig in Unternehmen eingesetzt. Es eignet sich aber auch für wissenschaftliche Arbeiten, Praxisprojekte oder Fallstudien. Entscheidend ist immer die Wahl des richtigen Vergleichs. Denn ein schlechter Maßstab führt schnell zu falschen Schlussfolgerungen.

Benchmarking ist mehr als ein Vergleich mit der Konkurrenz

Beim Begriff Benchmarking denken viele zuerst an direkte Wettbewerber. Das ist verständlich, greift aber zu kurz. Ein Unternehmen kann seine Preise, Prozesse oder Leistungen mit Konkurrenten vergleichen. Es kann aber ebenso interne Standorte, unterschiedliche Abteilungen oder Unternehmen aus ganz anderen Branchen betrachten.

Angenommen, ein Onlinehändler möchte seine Lieferzeiten verbessern. Ein Vergleich mit anderen Onlinehändlern liegt nahe. Trotzdem könnte auch ein Logistikunternehmen interessante Ansätze liefern, obwohl es in einem anderen Markt tätig ist. Entscheidend ist, dass der betrachtete Prozess vergleichbar bleibt.

Genau darin unterscheidet sich Benchmarking von einer klassischen Wettbewerbsanalyse. Eine Wettbewerbsanalyse betrachtet stärker die Marktposition, Angebote, Preise oder Strategien anderer Anbieter. Benchmarking sucht dagegen gezielt nach einem Maßstab für die eigene Leistung.

Beides kann sich ergänzen. Die Fragen dahinter sind aber verschieden.

Ohne konkrete Frage wird der Vergleich schnell beliebig

Ein Benchmarking sollte nicht mit der Suche nach möglichst vielen Kennzahlen beginnen. Zuerst braucht es eine klare Frage. Was soll nach dem Vergleich besser verstanden werden?

Ein Unternehmen könnte wissen wollen, warum die Bearbeitung von Kundenanfragen länger dauert als erwartet. Dann wären Kennzahlen zur Reaktionszeit, Anzahl der Arbeitsschritte oder Automatisierung interessant. Umsatzzahlen der Konkurrenz würden kaum helfen.

Auch bei wissenschaftlichen Projekten lohnt sich eine sauber formulierte Forschungsfrage. Sie verhindert, dass Daten gesammelt werden, die später keinen Beitrag zur Analyse leisten.

Ein möglicher Ausgangspunkt wäre etwa die Frage, wie effizient unterschiedliche Beschaffungsprozesse in mittelständischen Unternehmen organisiert sind. Erst danach lässt sich entscheiden, welche Kriterien sinnvoll verglichen werden können.

Der Vergleich braucht also immer einen Zweck.

Die größte Firma ist nicht automatisch der beste Maßstab

Ein häufiger Fehler besteht darin, sich ausschließlich an Marktführern zu orientieren. Große Unternehmen wirken attraktiv, weil ihre Prozesse erfolgreich erscheinen. Trotzdem können ihre Rahmenbedingungen völlig anders sein. Ein Konzern mit mehreren tausend Mitarbeitern verfügt über andere Budgets, Systeme und Strukturen als ein Unternehmen mit 50 Beschäftigten. Eine Kennzahl kann deshalb beeindruckend aussehen und trotzdem kein sinnvoller Maßstab sein.

Gutes Benchmarking sucht nach Vergleichspartnern, die zur eigenen Frage passen. Dabei spielen Größe, Branche, Geschäftsmodell und Zielgruppe eine Rolle. Auch regionale Unterschiede können wichtig sein. Vor der Auswahl lohnt sich deshalb oft eine Marktstudie erstellen. Sie hilft dabei, den Markt und relevante Vergleichsgruppen besser zu verstehen. Dadurch wird klarer, welche Unternehmen oder Daten überhaupt als Referenz dienen können.

Der beste Benchmark ist nicht immer der bekannteste Anbieter. Es ist der Vergleich, aus dem sich tatsächlich etwas ableiten lässt.

Gute Daten brauchen einen gemeinsamen Nenner

Zwei Zahlen lassen sich nur sinnvoll vergleichen, wenn sie dasselbe messen.

Angenommen, Unternehmen A bearbeitet 200 Kundenanfragen pro Mitarbeiter und Monat. Unternehmen B kommt auf 350. Auf den ersten Blick wirkt B effizienter. Vielleicht zählen beide Unternehmen aber vollkommen unterschiedliche Arten von Anfragen. Bei einem Anbieter handelt es sich überwiegend um kurze Standardfragen. Beim anderen geht es um komplexe Beratungsfälle.

Die Kennzahl allein reicht dann nicht aus.

Vor jedem Vergleich sollten Begriffe und Berechnungen klar definiert sein. Was genau wird gemessen? Welcher Zeitraum wird betrachtet? Welche Fälle sind enthalten? Gibt es Unterschiede bei der Datenerhebung?

Genau hier zahlt sich eine saubere Desk Research aus. Quellen sollten nicht einfach übernommen werden. Ihre Definitionen und Methoden müssen ebenfalls geprüft werden.

Bei öffentlich verfügbaren Kennzahlen ist das besonders wichtig. Zwei Studien können scheinbar dieselbe Größe nennen und trotzdem etwas anderes berechnet haben.

Internes Benchmarking wird oft unterschätzt

Für Benchmarking muss man nicht immer externe Unternehmen finden. Viele wertvolle Vergleiche liegen bereits im eigenen Unternehmen.

Ein Unternehmen mit mehreren Filialen kann zum Beispiel prüfen, warum einige Standorte deutlich kürzere Wartezeiten haben. Ein Vertriebsteam kann Abschlussquoten verschiedener Regionen vergleichen. Auch Produktionslinien oder Projektteams können interessante Unterschiede zeigen.

Der Vorteil liegt darin, dass viele Rahmenbedingungen ähnlich sind. Zudem sind interne Daten oft leichter zugänglich.

Allerdings sollte das Ziel nicht darin bestehen, einen Gewinner zu bestimmen. Interessanter ist, warum Unterschiede entstehen. Vielleicht nutzt ein Team einen anderen Ablauf. Vielleicht werden Aufgaben anders verteilt oder bestimmte Schritte automatisiert.

Dann wird aus einer Rangliste eine Lernmöglichkeit.

Genau diese Logik lässt sich auch in einem Projektbericht nutzen. Dort können verschiedene Vorgehensweisen miteinander verglichen und anschließend bewertet werden.

Ein Benchmark zeigt eine Lücke, aber noch keine Lösung

Angenommen, ein Unternehmen stellt fest, dass seine Bearbeitungszeit bei fünf Tagen liegt. Der Branchenwert beträgt drei Tage. Damit wurde eine Leistungslücke identifiziert. Das bedeutet noch nicht, dass einfach zwei Tage eingespart werden können.

Zuerst muss verstanden werden, warum die Differenz besteht. Vielleicht hat das Unternehmen zusätzliche Qualitätskontrollen. Vielleicht sind die Fälle komplexer oder das verwendete System verursacht unnötige Wartezeiten. Genau an dieser Stelle endet oberflächliches Benchmarking. Die interessante Arbeit beginnt erst danach. Die Ursachen hinter einer Abweichung müssen untersucht werden.

Manchmal helfen Gespräche mit Mitarbeitern oder Experten. In anderen Fällen reichen Prozessdaten. Auch eine Fallstudie kann sinnvoll sein, wenn ein bestimmtes Unternehmen oder ein einzelner Prozess genauer untersucht werden soll. Der Benchmark zeigt also, wo eine Frage entsteht. Er beantwortet sie nicht automatisch.

Best Practice bedeutet nicht Best Copy

Benchmarking führt schnell zu sogenannten Best Practices. Ein Unternehmen entdeckt einen erfolgreichen Prozess bei einem anderen Anbieter und möchte ihn übernehmen.

Dabei wird häufig vergessen, dass gute Lösungen in einem bestimmten Kontext entstanden sind. Ein Unternehmen kann beispielsweise einen hohen Automatisierungsgrad erreichen, weil seine Produkte stark standardisiert sind. Für einen Anbieter individueller Dienstleistungen funktioniert dasselbe Modell vielleicht gar nicht.

Deshalb sollte eine erfolgreiche Vorgehensweise immer übersetzt werden. Welche Idee steckt dahinter? Welche Voraussetzungen sind nötig? Was lässt sich auf die eigene Situation übertragen? Blindes Kopieren führt selten zu einer guten Lösung. Viel hilfreicher ist die Frage, welches Prinzip hinter einem erfolgreichen Benchmark steckt. Vielleicht geht es gar nicht um eine bestimmte Software. Vielleicht liegt der Vorteil in weniger Freigabeschritten oder klareren Zuständigkeiten.

Auch qualitative Informationen können wertvoll sein

Benchmarking wird oft mit Zahlen verbunden. Kosten, Geschwindigkeit, Produktivität oder Kundenzufriedenheit lassen sich gut messen. Trotzdem müssen nicht alle Erkenntnisse quantitativ sein. Auch Prozesse, Organisationsformen oder Kommunikationswege können verglichen werden. Unternehmen können zum Beispiel untersuchen, wie andere Teams Entscheidungen treffen oder Beschwerden bearbeiten.

Bei solchen Themen reichen Kennzahlen oft nicht aus. Interviews, Unternehmensberichte oder Fallstudien liefern zusätzlichen Kontext. Gerade bei wissenschaftlichen Arbeiten sollte dieser Unterschied im Text klar bleiben. Wer wissenschaftlich schreiben möchte, sollte Beobachtung und Interpretation sauber trennen. Zuerst wird beschrieben, welche Unterschiede sich zeigen. Danach folgt die Einordnung.

Das verhindert vorschnelle Aussagen und macht die Argumentation nachvollziehbarer.

Benchmarking sollte zu einer Handlung führen

Ein Vergleich ist nur dann wertvoll, wenn daraus etwas entsteht. Am Ende sollten deshalb nicht 30 Kennzahlen in einer Präsentation stehen, ohne dass klar wird, was sie bedeuten. Gutes Benchmarking beantwortet drei Fragen. Wo stehen wir aktuell? Wo liegt ein sinnvoller Vergleichswert? Und welche Ursachen erklären die wichtigsten Abweichungen?

Danach folgt die Entscheidung, welche Bereiche überhaupt verbessert werden sollen. Nicht jede Differenz muss geschlossen werden. Vielleicht ist eine längere Bearbeitungszeit bewusst gewählt, weil der Service umfangreicher ist. Vielleicht zeigt ein Vergleich aber auch unnötige Schritte, die tatsächlich verändert werden können. Deshalb sollte ein Benchmark nie automatisch zum Zielwert werden. Er ist zunächst eine Orientierung.

Wer das berücksichtigt, nutzt Benchmarking nicht als Wettbewerb um die schönste Kennzahl. Der Vergleich wird stattdessen zu einem Werkzeug, das Schwächen, Stärken und neue Möglichkeiten sichtbar macht. Am Ende zählt daher weniger die Frage, wer besser ist. Viel interessanter ist, warum Unterschiede bestehen und was sich daraus für die eigene Situation lernen lässt.

Wenn für den Vergleich belastbare Daten fehlen, ist die Erhebung ein eigener Arbeitsschritt. Dabei unterstützt die empirische Forschung und Datenanalyse, und einen Überblick über die passenden Formate geben unsere Leistungen für Unternehmen.

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